Susan Kreller

Schriftstellerin aus Leidenschaft

Susan Kreller ist Autorin zahlreicher Bücher für Jugendliche und Erwachsene. Geboren 1977 im vogtländischen Plauen, führte sie ihr Lebensweg nach Leipzig und Dublin, wo sie Anglistik und Germanistik studierte. 2001 schrieb sie ihre Magisterarbeit über den englischen Schriftsteller Roald Dahl und dessen Lyrik für Kinder.

Ihre Lust am Schreiben entdeckte sie jedoch schon mit 16 Jahren, als sie noch zur Schule ging. Sie war fasziniert von den literarischen Werken der Nachkriegszeit sowie von der großen privaten Bibliothek, die ihr Großvater in seinem Haus beherbergte. Während ihrer Studienzeit in Leipzig, inspiriert durch einen ihrer dortigen Professoren, fand sie dann den konkreten Einstieg in die Kinder- und Jugendliteratur.

Bevor sie ihr erstes Buch schrieb, verfasste sie Texte für Magazine und Anthologien. Auch Kurzgeschichten und Lektüre zum Thema Sprachförderung von Kleinkindern gehörten zu ihrem Repertoire. Heute lebt sie in Bielefeld, wo sie ihrer Tätigkeit als Lektorin, Journalistin, Literaturwissenschaftlerin und Buchkritikerin nachgeht. Und natürlich schreibt sie immer noch Geschichten.

Naturtalent mit außergewöhnlichem Schreibstil

Susan Kreller arbeitet stets strukturiert und nach Plan. Bereits im Vorfeld befasst sie sich intensiv mit dem kompletten Handlungsstrang und den Figuren der Geschichte. Sie überzeugt mit ihrer bildhaften Beschreibung und der Art und Weise, beschreibt authentisch und detailliert die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Protagonisten. Es ist ein leichtes, sich in die Charaktere hineinzuversetzen. Die dargestellten Personen sind menschlich, teils hilflos und verzweifelt, und doch stark genug, um sich weiterzuentwickeln.

Einfühlsam aber nicht geschönt beleuchtet Susan Kreller die Tragödien und Fallstricke des Lebens. Man spürt, dass sie ein Faible für Gedichte hat, denn ihre Geschichten sind eine Aneinanderreihung poetischer Zeilen, die Reimen gleichen und einen Hauch von Hermann Hesses „Siddharta“ vermuten lassen.

Oft schreibt Susan Kreller über schwierige Themen. Und dennoch gelingt es ihr, selbst den traurigsten Erzählungen noch eine heitere Note zu verleihen. So vermittelt sie die wichtige Botschaft, dass sowohl Freude als auch Trauer zum Leben gehören und sehr wohl nebeneinander bestehen können.

In früheren Werken waren ihre Charaktere oft dem Untergang geweiht und auch in ihren aktuellen Büchern gibt es nicht immer ein Happy End. Dennoch enden ihre Geschichten auf eine Art und Weise, die für den Leser nachvollziehbar und annehmbar ist.

Schwerlastiges Romandebüt

Im Jahr 2012 veröffentlichte Susan Kreller das Buch „Elefanten sieht man nicht“, ein eindrücklicher Jugendroman über eine Kindesmisshandlung. Das Buch wird erzählt aus der Sicht der 13-jährigen Mascha, die herausfindet, dass zwei Kinder, mit denen sie sich auf dem Spielplatz angefreundet hat, von deren Vater geschlagen werden. Empathisch und willenstark wie sie ist, möchte Mascha unbedingt helfen, und bringt dabei ihre neuen Freunde mit ihrem naiven, unüberlegten Vorgehen in fast noch größere Schwierigkeiten als sie ohnehin schon sind.

Eigentlich bevorzugt Susan Kreller leichte, „lakonische“ Lektüre, die durchaus originell sein darf. Doch diese Geschichte, die trotz ihrer Tragik Hoffnung vermitteln soll, lag ihr am Herzen und ging ihr zu Herzen. Es handele sich hierbei nicht um eine Autobiografie, sagt Kreller. Vielmehr entsprang die Idee zu diesem Buch ihrem regen Interesse an der öffentlichen Berichterstattung zum Thema. Auch beschäftigte sie sich mit den wichtigen Fragen, wie man wohl selbst handeln würde angesichts der Hilflosigkeit anderer Menschen, die in ähnlichen Situationen gefangen sind.

Vom Umgang mit Liebe und Leid

2012 erschien ihr nächstes Buch, wieder für Jugendliche. Es heißt „Schneeriese“ und handelt von Adrian und Stella, zwei Teenager, die sich verlieben und doch wieder verlieren, weil Stella jemand anderen kennen- und lieben lernt. Die Geschichte handelt davon, wie Adrian versucht mit diesem Rückschlag fertig zu werden und fast daran scheitert. Der Leser durchlebt zusammen mit dem Protagonisten eine Achterbahn an quälenden Emotionen und erkennt doch am Ende, dass alles gut ist, auch wenn es nicht gut ist, und dass da noch Hoffnung sein kann inmitten der Trauer über den Verlust.

Susan Kreller erklärt, die Geschichte sei eine moderne Variante der Schneekönigin von Hans Christian Andersen. Schon seit jeher verehrt sie den Märchenerzähler, ist angetan von seiner Melancholie, die sie in sich selbst spürt.

Lesestoff für die ganz Kleinen

2016 veröffentlichte Susan Kreller das Kinderbuch „Schlinkepütz – das Monster mit Verspätung.“ Schlinkepütz ist, wie es der Titel schon besagt, ein blaues Monster, das immer Unfug im Sinn hat und sich auf lustige Weise im eigenen Chaos zu verlieren droht. Die aufwendig illustrierten Geschichten wurden schon vormals in der Kinderzeitschrift „Gecko“ publiziert und für das Buch erneut zusammengetragen.

Späte Vergangenheitsbewältigung

2017 schrieb Susan Kreller ihr erstes Buch für Erwachsene. „Pirasol“ erzählt die Lebensgeschichte der 84-jährigen Witwe Gwendolin, die erst im Alter lernt, sich nicht mehr unterdrücken zu lassen und „ihren Mann zu stehen“. Das Buch handelt von ihren Erinnerungen an die Kindheit in der Nachkriegszeit, aber auch von ihrer komplizierten Ehe und ihrem Sohn, der von seinem Vater verstoßen wird und plötzlich jetzt, in der Neuzeit, wieder auftaucht. Es geht um Schuldgefühle und darum, sich selbst und anderen zu vergeben. Die Geschichte zeigt anschaulich, dass man auch spät im Leben noch vieles ändern kann.

Sehnsucht nach Heimat

Das neueste Buch aus Susan Krellers flinker Feder, erschienen 2019, heißt „Elektrische Fische.“ Es handelt von Emma, Tochter eines trinkfreudigen Iren und einer deutschen Mutter. Nachdem die Ehe ihrer Eltern auseinandergeht, möchte die Mutter Irland verlassen und nimmt Emma und ihre Geschwister kurzerhand mit in ihre ehemalige Heimat Mecklenburg-Vorpommern – ein Umstand, der Emma in solch tiefe Verzweiflung stürzt, dass sie insgeheim Pläne schmiedet, fortzulaufen und wieder zu ihrem Vater zurückzukehren. Bis dahin jedoch versucht sie, sich mit ihrer Situation zu arrangieren und schließt Freundschaft mit dem Jungen Levin, der es selbst nicht leicht im Leben hat. Und irgendwann ist sie gar nicht mehr so sicher, ob sie Deutschland überhaupt wieder verlassen will.

Poetische Weltreise

Abgesehen von ihren Romanen hat Susan Kreller auch einen illustrierten Gedichtband mit dem Titel „Der beste Tag aller Zeiten“ veröffentlicht. Das Buch beinhaltet Reime verschiedenster Länder und Kulturen, Gedichte, nach denen Susan Kreller ganz gezielt in Leihbüchern oder andernorts suchte, aber auch Texte, die aus ihrer eigenen über viele Jahre gepflegten, umfangreichen Sammlung stammen.

Auszeichnungen

Susan Krellers Werke wurden vielfach prämiert, unter anderem mit dem Kranichsteiner-Jugendliteratur-Stipendium (2013), dem Hansjörg-Martin-Preis (2013) sowie dem Deutschen Jugendliteraturpreis (2015). Nicht, dass sie sich jetzt auf ihren Lorbeeren ausruhen würde. Laut eigener Aussage hat sie noch Ideen für viele weitere Bücher. Dem Genre möchte sie jedoch treu bleiben.